Interview mit foodsharing und Foodwaste Expertin Janka Alwon!

Interview mit foodsharing und Foodwaste Expertin Janka Alwon!

5 Tipps für Kompostieren in kleinen Wohnungen Du liest Interview mit foodsharing und Foodwaste Expertin Janka Alwon! 9 Minuten Weiter 5 Rezepte für Gourmetgerichte aus geretteten Lebensmitteln

Gemeinsam mit der prominenten Janka Alwon, Raphael von SIRPLUS und der foodsharing und Foodwaste Expertin Janka hat SIRPLUS am 19.08 einen neuen Weltrekord aufgestellt. Dafür wurden 75.000 abgelaufene vegane Schnitzel organisiert und IHR seid zahlreich erschienen und habt mitgefuttert! Insgesamt sind über 3.000 Menschen gekommen, um gemeinsam ein Zeichen gegen Foodwaste zu setzen. Denn alle Lebensmittel auf diesem Event waren bereits seit bis zu zehn Monaten abgelaufen, aber eben trotzdem noch ohne Probleme genießbar! 

 

Interview mit der foodsharing und Foodwaste Expertin Janka von @jankalicious und der Ernährungstherapeutin Franka von @yogimeetsfood:

1.  Wie bist du zur Lebensmittelrettung gekommen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

„Hi, ich bin Janka – auf Social Media kennt man mich als jankalicious. Seit über fünf Jahren setze ich mich dort gegen Lebensmittelverschwendung ein, indem ich Tipps, Tricks, Rezepte und Wissen rund um Nachhaltigkeit teile – mit besonderem Fokus auf den achtsamen Umgang mit unseren Lebensmitteln.

Der Auslöser dafür war ein Schlüsselerlebnis in meiner Schulzeit: Ich begleitete einen Freund zur Tafel und sah dort zum ersten Mal, wie viele und vor allem wie gute Lebensmittel verteilt wurden, die sonst im Müll gelandet wären. Ich war absolut geflasht – bis dahin wusste ich nicht, dass so viel Essen überhaupt „gerettet“ wird. Dort kam ich auch erstmals mit den harten Fakten zur Lebensmittelverschwendung in Berührung und mir wurde klar: Wir werfen viel zu viel weg.

Aus Neugier begann ich zu recherchieren – und je tiefer ich eintauchte, desto mehr schockierte mich das Ausmaß. Auf der einen Seite verschwenden wir Unmengen an Lebensmitteln, während auf der anderen Seite jährlich 9 Millionen Menschen verhungern – darunter zwei Drittel Kinder. Diese Ungerechtigkeit hat mich nicht mehr losgelassen.

 

 

Schon während meiner Abiturzeit habe ich mehr über Lebensmittelverschwendung gelernt als für die Prüfungen selbst – und mir wurde klar: Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass weniger Essen im Müll landet. Seitdem ist es meine Mission, Bewusstsein zu schaffen und Menschen zu inspirieren, nachhaltiger mit Lebensmitteln umzugehen."

2.  Welche Situationen im Alltag sind für dich die größten Fallen in Sachen Lebensmittelverschwendung?

„Die größten Fallen im Alltag liegen genau dort, wo wir auch am meisten verändern können – beim Einkaufen, bei der Lagerung und im Umgang mit Resten.

Oft kaufen wir schlichtweg zu viel ein. Hinzu kommt die richtige Lagerung: Sie entscheidet maßgeblich darüber, wie lange Lebensmittel frisch und genießbar bleiben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Umgang mit Resten. Wer zum Beispiel einen festen „Reste-Tag“ pro Woche einplant, kann unglaublich viele Lebensmittel vor der Tonne retten – und dabei gleichzeitig Geld sparen.

Im Alltag gibt es unzählige kleine Stellschrauben, die kaum Zeit kosten, sondern nur eine minimale Umstellung erfordern, aber einen riesigen Unterschied machen. Genau solche Tipps teile ich auf meinem Kanal. Denn weniger verschwenden ist gar nicht schwer – es sind meist nur unsere Gewohnheiten, die uns im Weg stehen."

3.  Was sind deine drei besten Tipps, um Lebensmittel richtig zu lagern?

„Jedes Lebensmittel hat unterschiedliche Ansprüche – deshalb ist es entscheidend, sich mit der richtigen Lagerung auseinanderzusetzen. Hat man einmal verstanden, wie ein Produkt am besten gelagert wird, macht man es in der Regel auch automatisch richtig.

Viele wissen zum Beispiel nicht, dass der Kühlschrank Feuchtigkeit entzieht. Das verhindert zwar Schimmelbildung, führt aber gleichzeitig dazu, dass Lebensmittel schneller austrocknen und ihre Frische verlieren.

Ein Tipp, der für alle Lebensmittelgruppen gilt, ist das FIFO-Prinzip: First In, First Out. Das bedeutet: neu gekaufte Lebensmittel nach hinten stellen und die älteren zuerst aufbrauchen. So kommt man gar nicht erst in die Situation, dass Produkte ablaufen oder schlecht werden.

Besonders wichtig ist die richtige Lagerung bei frischen Produkten wie Obst und Gemüse. Hier lohnt es sich, sich gezielt über die optimalen Bedingungen für jedes Produkt zu informieren.

Auch für Reste gibt es einfache Tricks: Platziere sie so, dass sie nicht in Vergessenheit geraten – zum Beispiel in durchsichtigen Glasdosen, in einer gut sichtbaren „Eat me first“-Box im Kühlschrank oder indem du ein ganzes Fach ausschließlich für angebrochene Produkte reservierst. So hast du deine Vorräte immer im Blick und reduzierst unnötige Verschwendung.“

4.  Was regrowst du regelmäßig, eignet sich am besten für Anfänger, hat nicht funktioniert oder hat dich überrascht?

„Auf meiner Fensterbank steht eigentlich immer ein kleines Regrowing-Projekt. Mein absoluter Favorit sind Frühlingszwiebeln – die wachsen schneller nach, als man hinschauen kann. Aus einer einzigen gekauften Zwiebel bekomme ich oft locker die dreifache Menge zurück, indem ich den Strunk einfach in ein Glas Wasser stelle und nachwachsen lasse.

Ich finde das so genial, dass ich sogar einen eigenen Guide dazu geschrieben habe. Denn jeder sollte die Chance nutzen, mehr aus seinen Gemüseresten herauszuholen. In meinem Regrowing-Guide zeige ich Schritt für Schritt, wie einfach das mit den unterschiedlichsten Resten funktioniert.“


5.  Wie planst du deine Einkäufe, um möglichst wenig wegwerfen zu müssen?

„Auch wenn ich es im Alltag nicht immer perfekt umsetze, ist ein Wochenplan einer der wirksamsten Schritte, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Wer seine Mahlzeiten plant und darauf basierend eine Einkaufsliste schreibt, kann die Mengen viel genauer kalkulieren – und hat am Ende deutlich weniger Reste. Praktisch ist es außerdem, direkt einen festen „Restetag“ einzuplanen.

Das klingt anfangs vielleicht nach zusätzlicher Arbeit, macht den Alltag aber sogar leichter: Unter der Woche spart man Zeit und Stress, weil man genau weiß, was gekocht wird. Und nutzt man dabei gesunde Rezepte, profitiert auch die eigene Ernährung.“


6.  Was hat dich persönlich am meisten an deiner Lebensmittel-Routine verändert?

„Eine wichtige Erkenntnis der letzten Jahre ist für mich: Ich kaufe keine unnötigen Lebensmittel mehr – und gehe stattdessen regelmäßig Lebensmittel retten. Früher habe ich super gern neue Produkte ausprobiert. Das Problem: Manches hat mir nicht geschmeckt, blieb ewig im Schrank liegen und wurde am Ende doch entsorgt. Mittlerweile kenne ich meinen Geschmack viel besser und vermeide Spontankäufe aus reiner Neugier.

Die größte Veränderung für die Umwelt bringt für mich jedoch eindeutig das Lebensmittelretten. Damit reduziere ich nicht nur meine eigene Verschwendung, sondern rette gleichzeitig Produkte, die sonst im Müll gelandet wären. Und jeder, der schon einmal bei einer Lebensmittelrettung dabei war oder selbst Lebensmittel gerettet hat, weiß: Die Qualität ist oft hervorragend. Nebenbei spart man dabei auch noch eine Menge Geld.“

7.  Welche Rolle spielt Foodsharing in deinem Leben und was bedeutet es für dich?

„Foodsharing ist für mich eine der besten Erfindungen überhaupt – und zugleich eine wunderbare Möglichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Ganz ehrlich: Es ist die ultimative Win-win-Situation. Man tut aktiv etwas für die Umwelt und wird gleichzeitig mit einer Fülle an Lebensmitteln belohnt, durch die sich auch noch ordentlich Geld sparen lässt."


8.  Was war dein größtes Learning in Bezug auf Haltbarkeit und Mindesthaltbarkeitsdatum?

„Ich persönlich halte nicht besonders viel vom Mindesthaltbarkeitsdatum. In viel zu vielen Haushalten führt es einfach nur dazu, dass gute Lebensmittel im Müll landen – und das finde ich wirklich schade. Deshalb setze ich mich immer wieder dafür ein, aufzuklären: Viele Produkte sind auch nach Ablauf des MHD noch völlig genießbar.

Leider denken noch immer viel zu viele Menschen, dass ein Lebensmittel nach diesem Datum automatisch ungenießbar oder sogar gefährlich ist. Dabei verraten uns unsere Sinne – also Sehen, Riechen und Schmecken – viel besser, ob etwas noch gut ist.“


9.  Welches Gericht oder Rezept ist dein liebster „Reste-Retter“?

„Ob eine Reispfanne aus Reis, Gemüse und Soßenresten, Smoothies oder Eis aus überreifem Obst oder sogar selbstgemachte Nudeln aus hartem Brot – die Möglichkeiten sind endlos. Genau solche kreativen Reste-Rezepte teile ich besonders gern auf meinem Kanal.“

10.  Wenn du Supermärkte oder die Politik direkt beraten könntest – welche Maßnahme würdest du sofort einführen?

„Wichtige Schritte im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung wären für mich: die Abschaffung oder zumindest Umbenennung des Mindesthaltbarkeitsdatums, eine gesetzliche Pflicht zur Spende noch verzehrbarer Lebensmittel aus Supermärkten und anderen Stellen – und vor allem mehr Bildungsmaßnahmen, um die Gesellschaft zu sensibilisieren, beginnend schon bei Kindern.“

11.  Gibt es ein Lebensmittel, das dich immer wieder überrascht, wie lange es haltbar bleibt? Hast du ein Beispiel?

„Ja, ich finde es total faszinierend, dass Honig eigentlich unendlich haltbar ist. Aber auch Joghurt zum Beispiel ist oft  Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießbar. Manchmal bildet sich etwas Flüssigkeit oben, ansonsten bleibt er problemlos essbar. Ich finde das wirklich erstaunlich, weil wir oft denken, dass Lebensmittel sofort schlecht werden, obwohl sie noch völlig in Ordnung sind.“


12.  Was möchtest du den Leser*innen mitgeben, um gleich morgen mit mehr Lebensmittelwertschätzung zu starten? Tipps zum Anfangen?

„Na klar! Denn den größten Einfluss auf Lebensmittelverschwendung in Deutschland haben tatsächlich WIR als Privathaushalte: Über 50 % der Verschwendung passiert direkt bei uns zu Hause. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass wir hier die größte Möglichkeit haben, etwas zu verändern.

Dazu muss man nicht sein ganzes Leben komplett umkrempeln – schon kleine Veränderungen im Alltag können einen großen Unterschied machen. Mit der richtigen Lagerung und gezielter Resteverwertung kann jede:r von uns aktiv dazu beitragen, Lebensmittelverschwendung deutlich zu reduzieren.“

 

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