Lebensmittelverschwendung in Deutschland und weltweit

Jede Minute landet in Deutschland eine LKW-Ladung Lebensmittel in der Tonne. Allein in Deutschland sind das, je nach Studie, 12 bis 18 Millionen Tonnen Lebensmittel jedes Jahr (Quelle: Thünen Institut WWF). Global wird ein Drittel der produzierten Lebensmittel entsorgt, was einer Menge von 1,6 Milliarden Tonnen Lebensmittel (Quelle: Boston Consultig Group) entspricht.

Lebensmittelverschwendung: Eine Definition

Um all diese Zahlen einordnen zu können, ist es wichtig zu verstehen, was hinter dem Wort Lebensmittelverschwendung eigentlich steht und welche Definitionen es gibt. Dafür müssen zunächst die Begriffe Lebensmittelverluste und Lebensmittelabfälle geklärt werden.

Was sind Lebensmittelverluste?

Unter Lebensmittelverluste wird eine Reduzierung der Menge und Qualität von Agrar,- Forst,- und Fischereiprodukten verstanden, die für den menschlichen Verzehr bestimmt waren, jedoch nicht gegessen wurden. Lebensmittelverluste entstehen durch Ineffizienzen im Ernährungssystem, wie beispielsweise unzureichendem Zugang zu Technologien, Energie, Infrastruktur, Märkten und Transport, sowie Kapazitätsgrenzen in der Lieferkette. Weitere Gründe für Lebensmittelverluste sind Pflanzenkrankheiten, Schädlingsbefall oder klimatische Faktoren (Quelle: FAO).

Lebensmittelabfälle erklärt

Der Begriff Lebensmittelabfall bezieht sich auf die Entsorgung von Lebensmitteln, die für den menschlichen Verzehr geeignet gewesen wären. Lebensmittelverschwendung geschieht damit hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, auf Konsument*innenebene und ist meist auf Verhaltensweisen oder Regulierungen zurückzuführen (Quelle: FAO).

Was ist Lebensmittelverschwendung?

Lebensmittelverschwendung setzt sich aus Lebensmittelverlusten und Lebensmittelabfällen zusammen. Sie beschreibt die Reduzierung der Menge und/oder Qualität von Lebensmitteln entlang der gesamten Wertschöpfungskette, die ursprünglich für den menschlichen Verzehr bestimmt waren - unabhängig der Gründe, wieso diese in der Tonne landen (Quelle: FAO).

Ursachen und Gründe für Lebensmittelverschwendung

Über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg gehen Lebensmittel verloren oder werden verschwendet. Die Gründe sind natürlich je nach Stadium unterschiedlich. Die Verschwendung setzt sich in Deutschland aus Ernteverlusten mit 5%, Nachernteverlusten mit 9% (z.B. falsche Lagerung), Prozessverluste mit 14%, Verteilungsverlusten aus Groß- und Einzelhandel 14%, Großverbraucher*innen 19% und Endverbraucher*innen mit 39% zusammen (Quelle: WWF).

Verteilung Lebensmittelabfälle
Verteilung der Lebensmittelabfälle

Je nach Studie unterscheiden sich diese Zahlen leicht, deutlich ist jedoch immer: Bei uns Endverbraucher:innen fällt (in den Ländern des globalen Nordens) ein großer Teil der Lebensmittelverschwendung an.

Lebensmittelverschwendung in der Landwirtschaft, im Supermarkt und anderswo - vielfältige Gründe

Wieso Lebensmittel entsorgt werden hat vielerlei Ursachen. Obst und Gemüse unterliegt teilweise strengen Handels- oder EU-Normen, die auch an die Optik hohe Anforderungen stellen. So gelangt Obst und Gemüse, das nicht der Norm entspricht, oft gar nicht erst in den Einzelhandel. Auch Überproduktion führt zur Verschwendung von Lebensmitteln. Um beispielsweise Ernteausfälle ausgleichen zu können, wird oft mehr produziert als überhaupt verkauft werden kann. Auch die Restlaufzeit, die ein Produkt haben muss, um vom Einzelhandel angenommen zu werden, führt dazu, dass Lebensmittel entsorgt werden. Weitere Gründe sind in den Lieferketten zu finden: Diese sind oft komplex und erlauben es nicht, Lebensmittel, die aus dem üblichen Kreislauf ausgeschieden sind, wieder aufzunehmen - obwohl diese einwandfrei sind! Sowohl bei uns zuhause als auch in den Supermärkten spielt das Mindesthaltbarkeitsdatum eine große Rolle bei der Verschwendung von Lebensmitteln.

Quellen:

Thünen Institut, 2019, Lebensmittelabfälle in Deutschland - Baseline 2015 - Thünenreport 71 

WWF, 2015, das große Wegschmeißen 

FAO, 2017, Save food for a better climate 

Boston Consulting Group, 2018 Tackeling the 1.6 Billion-Ton Food Loss and Waste Crisis