Tag der Lebensmittelverschwendung: Ein LKW und gerettete Kartoffeln vor dem Brandenburger Tor

Tag der Lebensmittelverschwendung: Ein LKW und gerettete Kartoffeln vor dem Brandenburger Tor

Ann-Christin Werner

Am 2. Mai war in Deutschland Tag der Lebensmittelverschwendung. Statistisch gesehen wandern alle bis zu diesem Tag produzierten Lebensmittel in die Tonne. Um auf diese enorme Problematik aufmerksam zu machen, waren wir mit der Klimaliste Berlin und unserem Partner Querfeld mit einer Protestaktion vor dem Brandenburger Tor.

Schwere Wolken und ein bedeutungsschwerer Tag

Der Himmel war grau und die Wolken schwer über dem Pariser Platz. Traurig gaben ausgestellte Lebensmittel wie Kartoffeln und Möhren sowie ein symbolischer LKW einen kleinen Fingerzeig auf die riesige Menge an Lebensmitteln, die hierzulande verschwendet wird. Umso kämpferischer dafür die Stimmen, die vor der veranschaulichten Lebensmittelverschwendung in den Regen erklungen. “Ich kann nicht verstehen, wie unsere Gesellschaft den Bezug zu Lebensmitteln so komplett verlieren konnte”, so Ronja von der Klimaliste Berlin, der aus der Bewegung radikal:klima entstandenen Partei, die sich in diesem Jahr für Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und eine klimapositive Stadt zur Wahl stellt. 

Gemeinsam gegen die Verschwendung

Von der Klimaliste ins Leben gerufen, haben wir zusammen mit unserem Partner Querfeld diese wichtige Aktion mit aller Kraft unterstützt und sowohl gerettete Lebensmittel beigesteuert, als auch politisches Handeln eingefordert. Virtuellen Support gab es von vielen weiteren Partner:innen wie der deutschen Umwelthilfe auf Social Media. 

Seit 2016 soll der Tag der Lebensmittelverschwendung, initiiert durch den WWF, Aufmerksamkeit für die enormen Mengen an Lebensmitteln schaffen, die nicht genutzt werden. Das betrifft ein Drittel unserer Nahrung! 

Ein LKW, 18 Millionen Tonnen Lebensmittel und 120.000 mittelschwere Blauwale

Die Menge an verschwendeten Lebensmitteln beläuft sich laut Zahlen des WWF auf 18 Millionen Tonnen jährlich allein in Deutschland. Das entspricht dem Gewicht von 120.000 mittelschweren Blauwalen und pro Minute sprechen wir von einer LKW-Ladung. 

Von uns gerettete Lebensmittel und ein kleiner LKW der Klimaliste standen exemplarisch vor dem Brandenburger Tor, um das Ausmaß der Verschwendung zu visualisieren. Exemplarisch, weil pro Minute sogar die 19-fache Menge des eher kleinen ausgestellten LKWs in Deutschland verschwendet wird - und hierbei handelt es sich nur um Zahlen, die auf vermeidbarer Verschwendung basieren! 

Unter strenger Einhaltung der Corona-Maßnahmen riefen die Redner:innen der Politik ihre Forderungen zu. “Das Thema der Lebensmittelverschwendung ist eines der größten Probleme dieses Jahrhunderts. Und wir haben keine Zeit mehr! Heute ist ein Tag, an dem wir der Politik klar machen möchten: Das Thema muss priorisiert werden!”, so Raphael Fellmer, SIRPLUS Co-Gründer. 

Rufe nach politischer Verantwortung und mediales Interesse

Auch die Redebeiträge der Klimaliste und von Querfeld verwiesen auf die Verantwortung der Politik, Handlungsmaßnahmen durchzusetzen. Mit einem klaren Statement rief die Klimaliste zur Notwendigkeit gerechter Verteilung auf: “Wir hier im globalen Norden haben uns an einen Lebensstandard gewöhnt, der mit Rücksicht, Nachhaltigkeit und Weitsichts nichts mehr zutun hat - es geht nur noch um Bequemlichkeit.”

Ob die Politiker:innen im Bundestag die Forderungen gehört haben? Sicher ist: Unsere gemeinsame Aktion stieß auf Resonanz. Nicht nur war die dpa vor Ort, woraufhin die Süddeutsche und die ZEIT berichteten, sondern auch der RBB. Sogar auf internationaler Ebene interessierten sich Medien aus Aserbaidschan und Kasachstan für den Protest.

Tag der Lebensmittelverschwendung vorbei, und jetzt? 

Die Lebensmittel, die symbolisch zur Veranschaulichung der Verschwendung ausgestellt wurden, hatten nicht das gleiche Schicksal wie die jährlichen 18 Millionen Tonnen: Sie wurden am Ende der Aktion gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung gestellt. Wann sich die Politik ihrer Verantwortung endlich stellen wird, ist ungewiss. 

Klar ist für uns: Wir werden auch weiterhin mit Dir unsere Rettermission verfolgen, bestens genießbare Lebensmittel retten und unsere Stimme gegen Verschwendung einsetzen.

Dein SIRPLUS-Team

 

Fotocredits: Heiko Heiter & Jakob Schäuffelen